05 Mai

Aus dem Sandsturm lernen – Gehölze zurück auf die Acker bringen

Freiwillige der Initiative WikiWoods pflanzen Feldhecke in Nordvorpommern

Verheerende Sandverwehungen haben am vergangenen Freitag auf der A19 bei Kavelstorf zu einer Massenkarambolage mit 8 Todesopfern geführt. Es besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass der ungünstige Witterungsverlauf in diesem Frühjahr als Auslöser anzusehen ist. Die strukturellen Ursachen, die eine Erosion der Ackerböden in diesem Maße ermöglichen, liegen jedoch in der auf großflächigen und ausgeräumten Flächen praktizierten Form der Landwirtschaft begründet. Diese ist das Ergebnis der Flurbereinigungen und Melioration im 20. Jahrhundert. Die Agrarpolitik der letzten 20 Jahre hat diese Fehler nicht korrigiert, Bodenschutz ist in der EU und in Deutschland immer noch Randthema. Die Geschwindigkeit des Bodenverbrauchs ist weit höher als die natürliche Regenerationsfähigkeit. Kurzfristige ökonomische Interessen der Agrarindustrie werden der Erhaltung der Böden vorangestellt. Dies gefährdet die Ernährungssicherheit künftiger Generationen. Insbesondere Mecklenburg-Vorpommern ist durch einen Mangel an Ackerstrukturelementen gekennzeichnet. Innerhalb weniger Jahrzehnte wurden die meisten Feldgehölze, Sölle und Hecken beseitigt. Neben ihrer Bedeutung für die biologische Vielfalt sind Landschaftsgehölze wichtig für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit. Sie können u.a. zur Humusbildung beitragen, Bodenerosion verhindern und Dürreschäden reduzieren.

Vor dem Hintergrund des Klimawandels mit einer Zunahme an sommerlicher Trockenheit und häufigeren Extremwetterlagen werden gerade diese für die landwirtschaftliche Produktion relevanten Aspekte an Bedeutung gewinnen. „Es wird daher höchste Zeit, nicht nur die verbliebenen Landschaftselemente in der Agrarlandschaft konsequent zu schützen sondern auch neue Strukturen wie Hecken und Gehölzinseln zu schaffen“, fordert Stefan Schwill, Vorsitzender des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) in Mecklenburg-Vorpommern. Agrarminister Til Backhaus (SPD) und der Präsident des Bauernverband M-V, Rainer Tietböhl, sind unterdessen eilig bemüht, jede Verantwortung der Landwirtschaft für den Sandsturm am 8. April zurückzuweisen. Der Flächendruck der Landwirtschaft ist enorm und wächst weiter. Hier sind Landwirtschaft und Politik in der Pflicht, Flächen für Gehölze zur Verfügung zu stellen. Ökonomie und Ökologie dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern sind von gesamtgesellschaftlichem Interesse.

Die Freiwilligen-Initiative WikiWoods.org hat sich dem Pflanzen von Bäumen verschrieben und in vielfältigen Aktionen bereits zehntausende Gehölze in Nordostdeutschland gepflanzt. So sind neben neuen Wäldern bereits auch mehrere Kilometer Hecke in der Agrarlandschaft entstanden. Am 16. und 17. April werden Freiwillige in Sievertshagen (Nordvorpommern) erneut zur Tat schreiten und mit einem ortsansässigen Landwirtschaftsbetrieb eine Feldhecke anlegen. „Das wird ein Bespiel setzen, wie Landwirtschaft, Natur- und Bodenschutz gemeinsam notwendige Veränderungen voranbringen“, so Thomas Struwe von wikiwoods.org. Die politischen Entscheidungsträger sind aufgefordert, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit das Beispiel zum Erfolgsmodell wird.

V.i.S.d.P.: Thomas Struwe, Kurze Str. 4, D-17498 Alt Ungnade, Tel.: 0151 2829 0312 e-mail: greifswald [at] wikiwoods . org

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